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Royal Flying Doctor Service: Australiens fliegende Ärzte

Den Royal Flying Doctor Service of Australia (RFDS) kennt in Down Under jeder Mensch, garantiert diese anerkannte, gemeinnützige Institution doch die ärztliche (Notfall)-Versorgung in den dünn besiedelten Regionen des riesigen fünften Kontinents. Mit ihren speziell ausgerüsteten Flugzeugen gelangen die fliegenden Ärzte Australiens auch in die entlegensten Gebiete, um schnell medizinische Hilfe zu leisten. Darüber hinaus bietet der Royal Flying Doctor Service of Australia aber auch allgemeine ärztliche Versorgung und Gesundheitspflege an. Der RFDS ist 24 Stunden am Tag durchgehend erreichbar. Die Mitarbeiter können über Funk, Telefon oder Internet kontaktiert werden. Die seit 1928 bestehende Institution ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte und unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung in Down Under.

 

Geschichte des RFDS

Bevor es den Royal Flying Doctor Service of Australia gab, war eine flächendeckende medizinische Versorgung in den abgelegenen ländlichen Regionen des Landes praktisch nicht existent. Nur zwei Ärzte waren für ein Gebiet mit fast zwei Millionen Quadratkilometer Fläche zuständig. Für die Bevölkerung des überwiegend dicht besiedelten Europa kaum vorstellbare Verhältnisse. Durch diese Situation wurden selbst minderschwere oder vermeintlich harmlose Krankheitsfälle zur ernsten Gefahr. Nicht selten endeten beispielsweise Wundinfektionen oder Blinddarmentzündungen sogar tödlich, weil notwendige Medikamente fehlten, der Arzt nicht kommen konnte oder der Krankentransport zu lange dauerte. Besonders die australischen Pionierarbeiter waren gefährdet. Auf Baustellen, in Minen und in der Landwirtschaft passierten schnell Unfälle.

Diese unhaltbaren Zustände wollte John Flynn, ein Pfarrer der Presbyterianischen Kirche, unbedingt ändern. Im Jahr 1912 rief er zu diesem Zweck die Australian Inland Mission ins Leben und errichtete mehrere Buschkrankenhäuser. Um das Problem der langen Transportwege zu lösen, setzte John Flynn auf das Flugzeug. Die Kommunikation über die weiten Distanzen wurde mit Funkgeräten sicher gestellt. 1928 wurde ein vom Leitungsnetz unabhängiges Gerät von Alfred Traeger entwickelt. Am 15. Mai 1928 wurde der Aerial Medical Service gegründet, aus dem 1934 der Australian Aerial Medical Service hervor ging. 1942 wurde er in Flying Doctor Service umbenannt. Seit 1955 darf er sich Royal Flying Doctor Service nennen.

 

Weitere Informationen

Der Royal Flying Doctor Service of Australia deckt etwa zwei Drittel der gesamten Fläche Down Unders ab, was ca. 7,15 Millionen Quadratkilometern entspricht. Der RFDS untergliedert sich in sieben unabhängige Einheiten (Central Operations, Queensland Section, South Eastern Section, Tasmanian Section, Victorian Section, Western Operations und Frontier Services). Zurzeit (Stand 2011) betreibt der Royal Flying Doctor Service of Australia 21 Basen, auf denen die Rettungs-Flugzeuge stationiert sind, 5 medizinische Einrichtungen und 10 andere Einrichtungen. Insgesamt stehen den fliegenden Ärzten 61 Rettungs-Flugzeuge zur Verfügung. Nachdem in der Vergangenheit auf die Maschinen verschiedener Airlines (Qantas, Trans Australia Airlines und regionale Fluggesellschaften) zurück gegriffen werden musste, unterhält der RFDS heute seine eigene Flotte.

Die speziell ausgerüsteten Rettungs-Flugzeuge sind kleine fliegende Intensivstationen, die auch auf schwierigem Gelände Starten und Landen können. Mehr als 40.000 Patienten wurden im Jahr 2011 transportiert. Dabei legten die Flugzeuge eine Strecke von 26.869,690 Kilometer zurück. Neben Notfall-Einsätzen werden auch Krankentransporte zwischen Krankenhäusern geflogen sowie Medikamente, Blutkonserven oder Spenderorgane transportiert. Nicht immer wird geflogen, es stehen auch geländegängige (4WD) Fahrzeuge zur Verfügung. Oftmals kann Patienten schon durch medizinische Beratung und Ferndiagnose eines Arztes (Telehealth) weitergeholfen werden. Der Patient kann sich auf Anweisung des Arztes mit durchnummerierten Medikamenten, aus Hausapotheken oder Arzneistationen, selbst versorgen. Im Bedarfsfall ordnet der Arzt einen Krankentransport an.

Gut 1000 Mitarbeiter waren 2011 beim Royal Flying Doctor Service of Australia angestellt, darunter 830 in Vollzeit. Die realitätsnahe, australische TV-Serie „The Flying Doctors“ (deutscher Titel: „Die fliegenden Ärzte“), entstanden zwischen 1985 und 1993, machte die Arbeit des Royal Flying Doctor Service of Australia auch vielen Menschen außerhalb des fünften Kontinents bekannt. Die Kosten für den Betrieb des RFDS werden zum Teil durch staatliche Zuschüsse und die Übernahme durch Krankenkassen aufgebracht. Die gemeinnützige Institution ist aber auch in hohem Maße auf Spenden von Privatpersonen, Vereinen und Unternehmen angewiesen. Aufgrund ihrer Verdienste für die Allgemeinheit genießen die Royal Flying Doctors höchstes Ansehen in der australischen Bevölkerung.

 

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