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Atomkraftwerke in Australien: Vergleich zu Deutschland

AtomkraftAtomkraftwerke sind sowohl in Australien, als auch in Deutschland höchst umstritten. Nicht erst seit Fukushima hat die Kernenergie viele Gegner in beiden Ländern. Doch die Katastrophe im japanischen Fukushima hat der Anti-Atomkraft-Bewegung neuen Auftrieb gegeben. Weltweit setzte nach der verheerenden Katastrophe im japanischen AKW Fukushima ein Prozess des Umdenkens bei der künftigen Nutzung der Nuklear-Technologie ein. Dieser Prozess ist jedoch länderspezifisch sehr unterschiedlich ausgeprägt und führt nicht zwangsläufig zur Reduzierung der Anzahl der Kraftwerke oder gar dem Ausstieg aus der Kernenergie. In Deutschland soll durch den beschlossenen Atom-Ausstieg das letzte AKW 2022 vom Netz gehen und auch in Australien scheint die Kernenergie keine große Zukunft zu haben.

 

Deutsche Atomkraftwerke: Übersicht

Von den 17 der Stromerzeugung dienenden Atomkraftwerken in Deutschland sind zur Zeit neun in Betrieb (sieben Druckwasser- und zwei Siedewasserreaktoren). Die AKWs Brokdorf (Schleswig-Holstein), Emsland (Niedersachsen), Grohnde (Niedersachsen), Phillipsburg-2 (Baden-Württemberg), Neckarwestheim-2 (Baden-Württemberg), Grafenrheinfeld (Bayern), Grundremmingen-B (Bayern), Grundremmingen-C (Bayern) sowie Isar-2 (Bayern) befinden sich am Netz und liefern Strom. Die AKWs Brunsbüttel und Krümmel (Schleswig-Holstein), Unterweser (Niedersachsen), Biblis-A und -B (Hessen), Philippsburg-1 und Neckarwestheim-1 (Baden-Württemberg) sowie Isar-1 (Bayern) befinden sich derzeit nicht am Netz. Neben den kommerziellen AKWs laufen zur Zeit die acht deutschen Forschungsreaktoren Siemens Unterrichtsreaktor Stuttgart, Forschungsreaktor Mainz, Siemens Unterrichtsreaktor Ulm, Siemens Unterrichtsreaktor Hannover, Siemens Unterrichtsreaktor Furtwangen, Berliner Experimentierreaktor-2, Forschungsreaktor München-2 und Ausbildungskernreaktor Dresden-2.

 

Atomausstieg & Restlaufzeiten

Im Frühjahr 2011 beschloss die schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomausstieg. Im Jahr 2022 sollen die letzten deutschen Atommeiler vom Netz gehen. Die Opposition hat bereits ihre Zustimmung zum Ausstieg gegeben. Lediglich Detailfragen sind noch zu klären. So muss etwa noch darüber entschieden werden, ob einer der älteren Reaktoren bis 2013 im Standby-Betrieb bleibt, um mögliche Engpässe in der Energieversorgung zu überbrücken. Die vier großen deutschen Energie-Unternehmen und Betreiber der AKWs, E.on, RWE, Vattenfall und EnBW, haben sich dazu bereit erklärt, die durch das Moratorium abgeschalteten Anlagen nicht wieder hochzufahren. Die vor 1980 gebauten, ältesten Meiler Brunsbüttel, Unterweser, Biblis-A und -B, Philippsburg-1, Neckarwestheim-1 und Isar-1 bleiben vom Netz.

Auch das 1983 angelaufene aber störanfällige Atomkraftwerk Krümmel, das als Pannenreaktor immer wieder negative Schlagzeilen machte, bleibt dauerhaft abgeschaltet. Die derzeit laufenden neun AKWs werden stufenweise ab dem Jahr 2015 ihren Betrieb einstellen. Als erster Meiler wird 2015 Grafenrheinfeld vom Netz gehen. Es folgen Gundremmingen B (2017), Phillipsburg 2 (2019), Brokdorf (2021), Grohnde (2021) sowie Gundremmingen C (2021). Im Jahr 2022 werden dann mit Emsland, Neckarwestheim 2 und Isar 2 die letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet und die Bundesrepublik wird den Atomausstieg vollzogen haben. Der Rückbau der stillgelegten Anlagen wird aber noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Ebenfalls langwierig werden wohl auch die Schadensersatz-Prozesse der Energieversorger werden.

 

Rückgebaute und geplante AKWs

Bereits rückgebaute AKWs sind Gundremmingen A, Niederaichbach, Großwelzheim und Kahl. Im sicheren Einschluss, einer Vorstufe des Rückbaus, befindet sich die Anlage Lingen. Im Rückbau befinden sich die AKWs Mülheim-Kärlich, Stade, Würgassen, Greifswald 1 bis 5, Obrigheim, Hamm-Uentrop, Rheinsberg, MZFR Karlsruhe, KNK Karlsruhe 1 und 2 sowie Jülich. Gebaut aber nie in Betrieb gingen die AKWs Greifswald 6 und Kalkar 1. Teilweise fertiggestellt wurden Stendal 1, Stendal 2, Greifswald 7 und 8. Geplante Anlagen waren Bad Breisig, BASF 1, Biblis C und D, Borken, Dahlen 1 bis 4, Emden, Hamm, Neupotz A und B, Pfaffenhofen A, SNR-2, Vahnum A und B sowie Wyhl 1.

 

Rückgebaute Forschungsreaktoren & Versuchsanlagen

Bereits außer Betrieb gingen Forschungsreaktor München, Rossendorfer Forschungsreaktor, Forschungsreaktor Frankfurt 1, Berliner Experimentierreaktor 1, Forschungsreaktor Geesthacht 1, Siemens Argonaut Reaktor, AEG-Prüfreaktor, Forschungsreaktor 2, Forschungsreaktor Jülich 1 (MERLIN), Siemens Unterrichtsreaktor München, Forschungsreaktor Jülich 2 (DIDO), Rossendorfer Ringzonenreaktor, Schnell-Thermischer-Argonaut-Reaktor, Forschungsreaktor Geesthacht 2, Siemens Unterrichtsreaktor Berlin, Siemens Unterrichtsreaktor Darmstadt, Anlage für Nullleistungsexperimente, Siemens Unterrichtsreaktor Hamburg, Siemens Unterrichtsreaktor Aachen, Siemens Unterrichtsreaktor Kiel, Siemens Unterrichtsreaktor Karlsruhe, Forschungsreaktor TRIGA Heidelberg 1, Schnelle Nullenergie-Anordnung, Abbrandmessung, AEG-Nullenergiereaktor, Forschungs- und Messreaktor Braunschweig, Siemens Unterrichtsreaktor Bremen, Rossendorfer Anordnung für kritische Experimente, Kritisches Experiment, Forschungsreaktor Neuherberg, Forschungsreaktor Hannover, Kritische Anordnung, Forschungsreaktor TRIGA Heidelberg 2, Ausbildungskernreaktor Dresden 1, Zittauer Lehr- und Forschungsreaktor, Forschungsreaktor Frankfurt 2 sowie das Nuklear-Schiff „Otto Hahn“.

 

Geplante Atomkraftwerke in Australien

Der 5. Kontinent besitzt aktuell kein kommerzielles, der Stromerzeugung dienendes Atomkraftwerk. Geplant aber nicht realisiert war die Anlage Jervis Bay (Jervis Bay Nuclear Power Plant), die ab 1970 an der Südküste des australischen Bundesstaats New South Wales entstehen sollte. Der geplante Standort lag am Murray Beach im Jervis Bay Territory, ca. 200 Kilometer von der Stadt Sydney entfernt. Das Jervis Bay Nuclear Power Plant sollte eine Gesamtleistung von 500 bis 600 Megawatt erreichen. Das Projekt wurde nach lokalen Protesten im Jahr 1971 trotz bereits erfolgter Realisierungs-Studien, Auftragsvergaben und ersten Baumaßnahmen von der australischen Regierung eingestellt. Seitdem sind keine neuen Atomkraftwerke in Australien geplant.

 

Australische Forschungsreaktoren

Derzeit ist in Australien nur der Forschungsreaktor OPAL (Open Pool Australian Lightwater Reactor) in Betrieb. Er wird durch die Australian Nuclear Science and Technology Organisation seit dem Jahr 2006 betrieben. Der zum Typ Leichtwasserreaktor gehörende OPAL wurde am 12. August 2006 das erste Mal hochgefahren und erreichte seine geplante Höchstleistung von 20 Megawatt am 3. November 2006. Der Versuchsreaktor befindet sich im Lucas Heights Science & Technology Centre, ca. 30 Kilometer südwestlich von Sydneys Stadtzentrum gelegen. OPAL wurde gebaut um den Forschungsreaktor HIFAR zu ersetzen, der vom 26. Januar 1958 bis zum 30. Januar 2007 arbeitete. Weitere stillgelegte Anlagen waren CF und MOATA.

 

Uranabbau in Deutschland

In Deutschland wird heute kein Uranabbau mehr betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde jedoch Uran auf dem Staatsgebiet der ehemaligen DDR in größerem Umfang abgebaut. Uran-Vorkommen gab es vor allem in der Sächsischen Schweiz, im Erzgebirge sowie in Ostthüringen. Der begehrte Rohstoff wurde von 1946 bis 1990 durch das sowjetisch-deutsche Bergbau-Unternehmen Wismut abgebaut. Wismut wurde in diesem Zeitraum zum drittgrößten Uran-Produzenten der Welt und Eckpfeiler der sowjetischen Atom-Industrie. Bis zu 180.000 Arbeiter sollen im Uranabbau beschäftigt gewesen sein, der wegen seiner strategischen Bedeutung der Geheimhaltung unterlag. Im Westen Deutschlands kommt Uran im Bayerischen Wald, Schwarzwald und im Fichtelgebirge vor. Es erfolgte jedoch nie ein kommerzieller Abbau.

 

Uranabbau in Australien

Australien hat mit geschätzten 31 Prozent oder 1.673.000 Tonnen die weltweit größten abbaubaren Uran-Vorkommen. Da es sich bei diesen Zahlen nur um die bekannten Lagerstädten handelt, könnten neuere Erkundungen noch einen höheren Prozentsatz ergeben. Nach Kanada und Kasachstan ist Australien der drittgrößte Uran-Exporteur der Welt. Die ersten Vorkommen wurden Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, die erste Förderung erfolgte im Jahr 1906 am Radium Hill im Bundesstaat South Australia. Aktuell sind die drei großen Uran-Minen Ranger Jungle (Northern Territory) sowie Olympic Dam und Beverly (jeweils South Australia) in Betrieb. Wegen entstehenden Umweltschäden sowie Überschneidungen der Lagerstädten mit Naturschutz- und Aborigine-Gebieten, ist die Uran-Förderung in Australien politisch heftig umstritten.

 

Atommüll: Transport & Endlagerung

Bisher gibt es weder in Deutschland noch in Australien ein Endlager für hochradioaktive Abfälle. Weltweit existiert zurzeit kein Endlager für stark strahlenden Atommüll. Dies liegt zum einen an dem heftigen Widerstand der betroffenen Anwohner solcher Einrichtungen, vor allem jedoch an den schwer zu findenden geologischen Voraussetzungen, die für ein sicheres Atommüll-Endlager gegeben sein müssen. Die Endlagerung von radioaktiven Abfällen könnte in Salz-, Ton- und Granit-Schichten erfolgen. Deutschland setzte bislang vorrangig auf ehemalige Salzstöcke. Doch eindringendes Wasser im Versuchslager Asse 2 (ein ehemaliger Salzstock), zeigte die Schwächen dieser Planung auf. Die bisher eingelagerten schwach sowie mittelstark strahlenden Abfälle müssen aufwendig und unter hohen finanziellen Kosten geborgen werden.

Ähnliche Probleme gibt es auch im ehemaligen DDR Endlager Morsleben (ERAM). Der einsturzgefährdete Salzstock muss ebenfalls für Milliarden-Beträge saniert und stillgelegt werden. Diese Entwicklungen haben nicht nur unter eingefleischten Atomkraft-Gegnern laute Kritik an den geplanten Endlagern Gorleben und Schacht Konrad (beides Salzstöcke) hervorgerufen. Im Rahmen des deutschen Atomausstiegs wird die Ausdehnung der Endlager-Suche auf ganz Deutschland gefordert. In Australien existieren Pläne zum Bau eines Endlagers für radioaktive Abfälle in Muckaty, im Northern Territory. Es gibt heftigen Widerstand gegen das Projekt, u.a. weil sich der Standort auf indigenem Gebiet befindet und erdbebengefährdet ist. Ein nicht zu vernachlässigendes Sicherheits-Risiko stellt auch der notwendige Transport der radioaktiven Abfälle dar.

 

Anti-Atomkraft-Bewegung & Widerstand

Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland und Australien weist etliche Parallelen auf. In Deutschland wie auch in Australien setzt sie sich aus einzelnen Personen, Gruppen unterschiedlichster Größe sowie festen Organisationen zusammen. Die Anti-Atomkraft-Bewegung entstand in beiden Nationen zu Beginn der 1970er Jahre. Von wenigen umweltpolitischen Aktivisten ins Leben gerufen, wuchs die soziale Bewegung rasch an. Die Anti-Atomkraft-Bewegung überschneidet sich häufig mit der Friedensbewegung und der Umweltbewegung. In Deutschland richtet sie sich vorwiegend gegen die Nutzung der zivilen Kernkraft mit all ihren negativen Begleiterscheinungen. In Australien spielten Nuklearwaffen-Tests der Briten und Franzosen (Pazifik) in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Heute bekämpfen die Aktivisten vorrangig den australischen Uranabbau und -export.

 

Globale Erwärmung & Erneuerbare Energien

Die Diskussion über Globale Erwärmung hat den Erneuerbaren Energien (Regenerativen Energien) in den letzten Jahren einen starken Zuwachs beschert. In Deutschland werden Wasserkraft, Windenergie, Sonnenenergie (Solarenergie), Geothermie (Erdwärme) und Biomasse schon seit längerem genutzt. Sie spielten aber im Energie-Mix bisher nur eine untergeordnete Rolle neben fossilen Brennstoffen (Öl, Gas, Stein- und Braunkohle) und Kernenergie. Mit dem Atomausstieg sollen die regenerativen Energien langfristig die konventionellen Energien ersetzen. Australien gehört zu den Nationen mit dem höchsten Pro-Kopf-Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO²), was der fast alleinigen Stromerzeugung aus Kohle zu schulden ist. Auch in Down Under hat man mittlerweile die Notwendigkeit der Erneuerbaren Energien erkannt und fördert sie staatlich.

 

Fazit

Vergleicht man den Umgang mit dem Thema Atom in Deutschland und Australien, lassen sich spezifische Unterschiede, aber auch einige Parallelen erkennen. Deutschland wird sich mit dem energiepolitischen Jahrhundert-Projekt Atomausstieg bis zum Jahr 2022 aus der kommerziellen Nutzung der Kernenergie verabschieden. Zu diesem Zeitpunkt wird die Bundesrepublik die Atomkraft fast ein dreiviertel Jahrhundert lang zur Stromerzeugung genutzt haben. Australien ist gar nicht erst in die kommerzielle Nutzung der umstrittenen Nuklearenergie eingestiegen, auch wenn es immer mal wieder Pläne dafür gab. Auf dem 5. ontinent bestand wirtschaftlich nie die Notwendigkeit für den Bau von Atomkraftwerken. Man setzte bei der Stromerzeugung fast ausschließlich auf die im Überfluss vorkommende Kohle.

Das weltweit begehrte Uran wird abgebaut, um es mit hohen Gewinnen zu verkaufen und zu exportieren. In beiden Ländern gibt es negative Spätfolgen der Kernkraft. Die Transport- und Endlager-Situation muss für die sichere Verwahrung radioaktiver Abfälle in naher Zukunft geklärt werden. In Deutschland müssen zahllose Atom-Anlagen rückgebaut werden. In Australien sorgen die durch den Uran-Bergbau entstehenden Umweltschäden für Konflikte. Die Anti-Atomkraft-Bewegung hat sowohl in Deutschland als auch in Australien für gesellschaftliche Veränderungen gesorgt. Beide Nationen haben den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien erkannt. In Deutschland hat er schon begonnen und wird die konventionellen Energien ersetzen. In Australien wird diese Entwicklung ebenfalls kommen, jedoch in deutlich langsamerem Tempo.

 

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