Einmal zum anderen Ende der Welt reisen – ein Traum, den sich viele Menschen erfüllen oder im Laufe ihres Lebens erfüllen möchten. Denn dort warten Aborigines, naturbelassene Landschaften, Koalas und vor allem Sonne und Meer, die für jede Menge Faszination sorgen. Jedoch sind Urlauber auch fern von der Heimat nicht vor Krankheiten oder Unfällen gefeit und es kann trotz Vorsorge dazu kommen, dass der Weg zum Arzt nicht erspart bleibt. Doch wie findet sich ein Spezialist und wie sind die Abläufe in den Arztpraxen, den Notaufnahmen und den Kliniken vor Ort?

Inhaltsverzeichnis

Arztbesuch mit reisemedizinischer Vorsorge vermeiden

Um zunächst gesund in den Australienurlaub zu starten und eine Behandlung am Reiseziel zu vermeiden, sollten reisemedizinische Vorbereitungen getroffen werden. Eine gründliche Vorsorge kann verhindern helfen, dass Erkrankungen am Urlaubsort auftreten oder sich bereits vorhandene Beschwerden verschlimmern. Besonders für Kinder und ältere Menschen, die sich als Touristen an das andere Ende der Welt begeben, ist eine gründliche Gesundheitskontrolle wichtig. Denn Kindern kann eine Reiseübelkeit auf der langen Flugreise schnell zu schaffen machen und ältere Personen sowie chronisch Kranke sind aufgrund ihres oftmals etwas geschwächten Immunsystems anfälliger für Infekte. Besonders der Wechsel in eine andere Klima- und Zeitzone kann den Körper stressen und zum Beispiel zu Erkältungen führen, die den Körper schwächen und die Entstehung von weiteren Krankheiten am Urlaubsort begünstigen. Etwa einen Monat vor Abreise sollte deshalb neben den allgemeinen Kontrollen beim Haus-, Zahn- oder Frauenarzt ein Reisemediziner aufgesucht werden. Dieser klärt unter anderem über die länderspezifischen Gesundheitsrisiken, aktuell am Urlaubsort verbreitete Krankheiten sowie die für Australien empfohlenen Impfungen auf.

Wie wird der richtige Arzt gefunden?

Über die Fachärzte, die vor Ort zu finden sind, kann sich vor der Abreise bereits bei der eigenen Krankenkasse informiert werden. Zudem ist es möglich, die Onlinepräsenz australischer Kliniken zu nutzen. Bei leichten Schmerzen oder Verletzungen kann in Australien der Allgemeinmediziner ‚General Practitioner‘ (GP) zurate gezogen werden. Die Adressen der Mediziner – darunter finden sich auch einige deutschsprachige Ärzte – stehen in den Gelben Seiten (Yellow Pages). Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, ist der Gang zum GP in jedem Fall notwendig, denn dieser nimmt die Erstdiagnose auf und kann an Fachärzte überweisen (zum Beispiel Zahnarzt, HNO-Arzt, Chirurgen oder Gynäkologen).

Spezialfall: Der Besuch beim Zahnmediziner

Der Besuch in einer australischen Zahnarztpraxis stellt einen Sonderfall dar, denn genau wie in Deutschland, ist die Überweisung vom Allgemeinmediziner (General Practitioner) nicht notwendig und zudem veranschlagen die Zahnärzte – je nach Schwere der Behandlung – im Gegensatz zu anderen australischen Fachärzten relativ hohe Preise. Dies liegt vor allem daran, dass die staatliche Krankenversicherung Behandlungen beim Zahn- oder Augenarzt nur zu einem kleinen Teil übernimmt. Viele Australier haben daher eine Privatversicherung zur Abdeckung dieser Behandlungskosten.

Falls nur ein kleiner Eingriff notwendig ist, wie eine schmerzstillende Zahnbehandlung (Kariesbehandlung oder Zahnextraktion), eine Zahnfüllung sowie eine Reparatur oder eine Ausbesserung an bereits vorhandenem Zahnersatz, werden die Kosten teilweise auch von der Auslandskrankenversicherung des Urlaubers abgedeckt. Eine aufwendigere Zahnbehandlung im Ausland – zum Beispiel das Einsetzen von Inlays, Implantaten oder Kronen – kann oft komplett oder teilweise mit einer vorhandenen Zahnzusatzversicherung abgedeckt werden. Generell sollten im Optimalfall vor der eigentlichen Zahnbehandlung mit der Versicherung die wichtigsten Fragen abgestimmt werden. Um die Rückerstattung der angefallenen Kosten zu sichern und dem behandelnden Zahnarzt in Deutschland eine Grundlage für mögliche Weiter- oder Folgebehandlungen zu geben, ist es ratsam, vor Therapiebeginn einige Punkte zu klären. So sollte sich der Urlauber vor Behandlungsbeginn einen genauen Plan beziehungsweise eine ausführliche Auflistung der einzelnen Therapieschritte und Kostenpunkte (Abdruck, Labor oder Nachkontrolle) aushändigen lassen, sich über die Garantie für die verwendeten Materialien informieren und bestehende Haftungsansprüchen erfragen. Hilfreich ist es auch, sich für den Arztbesuch einen Sprachführer zu besorgen, in dem die wichtigsten Fachbegriffe der Zahnmedizin enthalten sind. Das erleichtert die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt ungemein.

Im Notfall: Notaufnahme australischer Kliniken nutzen

Manchmal muss es jedoch schnell gehen, wie bei einer Surf-Verletzung oder einem Biss von einem giftigen Tier. Bei einem Notfall ist die Durchwahl 000 zu wählen, über diese Nummer sind Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst erreichbar. Die Rettung am Unfallort verläuft in Australien nach dem ‚Parademics-System‘, das heißt, die Erstversorgung erfolgt ausschließlich durch Rettungsassistenten und nicht durch Notärzte. Zudem müssen sich die Assistenten an bestimmte Vorgaben halten, die zum Beispiel die Vergabe von Medikamenten betreffen. Wenn der Patient die Notaufnahme erreicht, egal ob er dort mit dem Krankenwagen angeliefert oder persönlich vorstellig wird, beurteilen Pflegekräfte zunächst den Schweregrad der Erkrankung und teilen diese einer bestimmten Stufe nach der ‚Australasian Triage Scale‘ zu.

Stufen der Australasian Triage Scale

Hinweis zu Stufe 3 bis 5: Die Patienten werden innerhalb dieser Stufen nach Dringlichkeit eingeteilt. Die Einteilung richtet sich neben der Art der Erkrankung, unter anderem nach dem Alter und dem Allgemeinzustand und erfolgt aufgrund der Beurteilung von Atmung, Kreislauf, Schmerzen und Bewusstsein.

Damit die Aufnahme und Einstufung von Notfällen bei einer kurzfristigen Überbelastung schnell wieder gewährleistet ist, suchen Bettenmanager laufend freie Betten und sorgen dafür, dass stabile Patienten schnellstmöglich auf die Stationen verlegt werden. Dabei kann es häufiger als etwa in Deutschland dazu kommen, dass eine Verlegung auf eine Station stattfindet, auf der keine Spezialisten für die vorhandene Erkrankung tätig sind (zum Beispiel die Verlegung eines Patienten mit einem Beinbruch auf die gynäkologische Abteilung). Jedoch kontrollieren spezielle Pflegekräfte mehrmals täglich, ob die Patientenversorgung auf einer fachfremden Station den Anordnungen der eigentlichen Fachärzte entspricht. Weitere Informationen zu den Handlungsabläufen von Ärzten und Pflegekräften und dem Aufnahmesystem des Emergency Departements finden sich im Erfahrungsbericht eines deutschen Assistenzarztes, der seine Erlebnisse in der Notaufnahme einer australischen Klinik beschreibt.

Themenübersicht