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ANZAC Day: Umstrittener Feiertag zu Ehren der Kriegsveterane

Der ANZAC Day ist ein australischer Nationalfeiertag, welcher jedes Jahr am 25. April zu Ehren aller gefallenen Soldaten sowie der noch lebenden Kriegsveterane veranstaltet wird. ANZAC bedeutet „Australian and New Zealand Army Corps“ und bezieht sich auf den 25.04.1915, wo das australische und neuseeländische Militär gemeinsam mit den Alliierten Streitkräften während des Ersten Weltkriegs im türkischen Gallipoli schwere Verluste zu verzeichnen hatte.

 

Der ANZAC Day heute

Auch dieses Jahr wurde der ANZAC Day in Down Under ausgiebig zelebriert. Schon vor dem eigentlichen Ehrentag konnte man landesweit an Bahnhöfen, Busstationen, in öffentlichen Verkehrsmitteln etc. Werbeplakate begutachten, auf denen beispielsweise ein traurig schauendes, junges Mädchen vor einem Kriegerdenkmal steht und auf die für jeden "echten Aussie" immense Wichtigkeit dieses Tages aufmerksam machen soll. Es scheint als würde der ANZAC Day in Australien von Jahr zu Jahr wichtiger werden, obwohl der tragische Tag nun schon circa 100 Jahre zurückliegt. Es wird einem im ganzen Land der Eindruck vermittelt, dass man am 25. April auf die Opfer des Krieges, die pensionierten Veterane sowie auf die sich gerade im Krieg befindenden australischen Soldaten unbedingt stolz sein muss, da diese ja schließlich Australien sowie den "Australian Way of Life" mit ihrem Leben verteidigen und "Nicht-Patriotismus" absolut unaustralisch, also schlichtweg falsch ist.

So werden beispielsweise auch schon kleine Kinder darauf getrimmt, an den Paraden mit einer Australien-Flagge in der Hand teilzunehmen und die Kriegsmaschinerie anzufeuern. Es ist unvorstellbar, wie tausende von Soldaten und alte Kriegsveterane in voller Montur durch die Straßen ziehen und sich von unzähligen Menschen feiern lassen. Anschließend folgen dann noch ein paar pathetische Kriegsreden, die auf den Mut, die Gerechtigkeit, das Demokratiebewusstsein und die Ehre der Soldaten sowie ihres Vaterlandes aufmerksam machen. Der ANZAC Day wird in Down Under so groß zelebriert, dass die Paraden verschiedener Städte sogar in mehreren Programmen im TV übertragen werden (ähnlich wie beim Rosenmontagszug in Köln).

 

Aktuelle Ansichten über einen umstrittenen Feiertag

Wie man sich vorstellen kann, ist der ANZAC Day, genau wie der so groß gefeierte Australia Day, ein recht umstrittener Feiertag. Seit den 60er Jahren fanden am 25. April regelmäßig Friedensdemonstrationen statt, die auf die Ungerechtigkeiten eines jeden Krieges hinweisen möchten. Das Glorifizieren des Militärs wird an diesem Tag inzwischen von einigen Australiern mit recht kritischen Blicken betrachtet, auch wenn gerade die ältere Generation sowie die australische Regierung für den sogenannten „Spirit des ANZAC Day“ Feuer und Flamme sind. Ebenso wird mittlerweile der an den Tag gebrachte, absolut übertriebene Patriotismus kritisiert. So werden während der Veranstaltungen sämtliche vaterlandsverherrlichende Lieder, wie „My Country“ (Mein Land) oder die Nationalhymne, wie am Fließband gesungen. Dass Kinder hier recht schnell den Eindruck gewinnen, Militär und Vaterlandstolz seien mit die wichtigsten australischen Tugenden, lässt an diesem umstrittenen Nationalfeiertag doch starke Zweifel aufkommen.

 

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